Portrait von Robert Musil

"Ins Ungewisse hinsteuern"

Robert Musil (1880-1942)

Die erhalten gebliebenen Reisekoffer des Ehepaares Musil sind Teil des persönlichen Nachlasses, welcher seit Anfang der achtziger Jahre in Klagenfurt aufbewahrt wird. Der schriftliche Nachlaß befindet sich in der Handschriften-, Autographen- und Nachlaß-Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien.

In der Ausstellung mit dem Titel "Ins Ungewisse hinsteuern" wird versucht, die Stationen von Musils Lebensreise mit Originalobjekten, Dokumenten, Fotos und natürlich mit Erstausgaben seiner Bücher - von den Verwirrungen des Zöglings Törleß bis zum Mann ohne Eigenschaften - nachzuzeichnen.

Nachdem Robert Musil nicht einmal ein Jahr lang in dem Haus in der Klagenfurter Bahnhofstraße gelebt hat, wurde bewußt darauf verzichtet, sozusagen historische Situationen zu "arrangieren", die mit dem MUSIL-HAUS nicht in Zusammenhang stehen. Die wertvollen Objekte aus dem persönlichen Nachlaß wurden in einen abstrakten Kontext gestellt.

Bild der Skulptur 'Der Koffer'
Die "Skulptur der Koffer" ist Symbol für die Emigrationsjahre Martha und Robert Musils
Musil-Bueste
Musil-Büste aus Bronze von Isabella Ban (1993)

Ein kurzer Blick in die Dauerausstellung des Literaturmuseums zum Thema

"Robert Musil und Klagenfurt"

Blick auf Vitrinen
Blick auf Vitrinen zum Thema "Robert Musil und Klagenfurt"

"Kl. in K." - Klagenfurt in Kärnten

Robert Musil wurde am 6. November 1880 in Klagenfurt geboren. Das Geburtshaus in der Bahnhofstraße trägt heute die Hausnummer 50. Musils Aufenthalt in Klagenfurt dauerte allerdings nur knappe elf Monate. Trotzdem versuchte er als rund fünfzigjähriger Autor in einer Notiz den Verlauf seines Lebens gleichsam auf Wurzeln zurückzuführen, die in der Geburtsstadt lägen: Ich bin am...geboren, was nicht jeder von sich behaupten kann. Auch der Ort war ungewöhnlich: Kl. in K.; verhältnismäßig wenig Menschen kommen dort zur Welt. In gewissem Sinn deutet sich in beidem schon meine Zukunft an [vgl. Robert Musil (RM): Tagebücher, Bd. 1, herausgegeben von Adolf Frisé, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Verlag, 1983, S. 681].

Die Geburtsurkunde wurde von der katholischen Diözese Gurk für Robert Mathias Alfred Musil ausgestellt, der um 5 Uhr früh zur Welt kam. Das Dokument weist als Geburtsort St. Ruprecht bey Klagenfurt aus. Der heutige Stadtteil St. Ruprecht war im Jahr 1880 eine eigene Gemeinde.

Robert Musil als Baby im Jahr 1881 in Klagenfurt

Vier Jahre vor dem Sohn Robert kam die Tochter Elsa auf die Welt. Elsa Musil starb aber, noch nicht elf Monate alt, im Jahr ihrer Geburt und wurde auf dem Friedhof in St. Ruprecht beerdigt. Um 1940 spekulierte Musil über die Bedeutung der früh verstorbenen Schwester für sein eigenes Leben: [...] meine vor meiner Geburt gestorbene Schwester, mit der ich einen gewissen Kultus trieb...(Ich trieb in Wahrheit keinen Kultus; aber diese Schwester interessierte mich. Dachte ich manchmal: wie, wenn sie noch am Leben wäre; [RM: Tagebücher I, S. 952/953].

Robert Musils Eltern - Sieben Jahre in Klagenfurt

Man hat mir in meiner Kindheit und Jugend oft gesagt: du bist wie dein Großvater (vaterseits)! Das hieß: eigensinnig, energisch, auch erfolgreich, schwer umgänglich... [RM: Tagebücher I, S. 936]. Diese Eintragung in Musils Tagebuch bezieht sich auf den Großvater väterlicherseits. Matthias Musil, Sohn eines Kleinbauern aus Rychtarow in Mähren, früher Militärarzt, und seine Frau Aloisia, bewirtschafteten den "Plachelhof" vor den Toren von Graz.

Robert Musils Vater Alfred wurde 1846 in Temesvar/Timisoara (heute: Rumänien) geboren und wuchs in Graz auf. Er absolvierte an der Grazer Technischen Hochschule eine Ausbildung zum Maschinenbauingenieur, war dort später Assistent und für kurze Zeit Versicherungsinspektor in Brno/Brünn (heute: Tschechien). In Klagenfurt arbeitete er ab 1873 für die "Hüttenberger Eisenwerks-Gesellschaft AG". Alfred Musil publizierte 1878 im Braunschweiger Vieweg-Verlag seine - in Klagenfurt verfaßte - Abhandlung über Die Motoren für das Kleingewerbe.

Hermine Musil, geborene Bergauer, stammte aus Oberösterreich. Als "höhere Tochter" erhielt sie eine Erziehung, die sie in erster Linie zur Führung eines "standesgemäßen" Haushalts qualifizierte. ...meine Mutter war eigentümlich verwirrt. Wie verschlafenes Haar auf einem hübschen Gesicht [RM: Tagebücher I, S. 914].

Im Sommer 1874 fand die Verlobung von Hermine Bergauer und Alfred Musil statt und im Herbst des gleichen Jahres wurden die beiden in der Pfarrkirche St. Ruprecht bei Klagenfurt getraut. Das Ehepaar Musil wohnte von 1874 bis 1881 in einer Dienstwohnung in dem heute als MUSIL-HAUS bezeichneten Gebäude.

In der Ehekonstellation dominierte Hermine gegenüber dem sieben Jahre älteren, etwas pedantischen, Alfred, der überdies als ein etwas ängstlicher Mensch beschrieben wurde. Sie hat meinen Vater geschätzt, aber er hat nicht ihren Neigungen entsprochen... [RM: Tagebücher I, S. 935].

1881 wurde die "Hüttenberger Eisenwerksgesellschaft" mit der "Österreichischen Alpine Montan Gesellschaft" fusioniert. Das war für Musils Vater der Grund, die Firma und damit auch Klagenfurt zu verlassen. Er sah seine Karriere durch die Fusion beeinträchtigt. Alfred Musil wurde 1881 zum Direktor der Mechanischen Lehrwerkstätte in Komotau/Chomutov (Tschechien) bestellt. Aber schon 1882 übersiedelte die Familie nach Steyr in Oberösterreich, wo Musils Vater bis 1889 eine Fachschule und Versuchsanstalt für Eisen- und Stahlindustrie leitete.

Texte

Walter Fanta: Ich kann nicht weiter

(Doc-File)

Text von Robert Musil (Faksimile) bzw. Transkription (Doc-File)

Walter Fanta: geb. 1958 in Kärnten; Studium der Germanistik und Geschichte an den Universitäten Wien, Innsbruck und Klagenfurt; Beschäftigung mit dem literarischen Nachlass Robert Musils seit 1988; Mitarbeit an der CD-ROM-Ausgabe des Musil-Nachlasses an der Universität Klagenfurt; lebt seit 2000 in Wien, wo er im Auftrag des Robert-Musil-Instituts für Literaturforschung an der Universität Klagenfurt an der Erstellung der digitalen Edition des Gesamtwerks von Robert Musil arbeitet. Die Herausgeber-Arbeit von Walter Fanta wurde von der Stadt Klagenfurt unterstützt.

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